Was sich in sechs Monaten verändert hat
ChatGPT Ads ist seit Februar 2026 im Markt. Aus einem US-Pilotprojekt mit Mindestbudget und Vertriebsgespräch ist eine selbst buchbare Plattform geworden: Der Ads Manager ist laut OpenAI seit dem 31. August 2026 in 52 Ländern für den Self-Service freigegeben – Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören dazu. Über den Vertrieb und Partner ist der Kanal nach OpenAI-Angaben in über 40 Märkten buchbar.
Gleichzeitig ist etwas anderes passiert: Die ersten Werbetreibenden haben ihre Zahlen öffentlich gemacht – und zwar keine 500-Dollar-Schnelltests mehr, sondern Budgets, bei denen sich ein Muster zeigen müsste. Es zeigt sich nur leider kein einheitliches.
Vier veröffentlichte Tests, vier sehr verschiedene Bilder
Der Hosting-Anbieter Hostinger hat nach eigenen Angaben knapp 70.000 US-Dollar in ChatGPT Ads getestet. Der zuständige PPC-Verantwortliche berichtete zunächst, die Klickpreise lägen nicht höher als bei der Google-Suche und es seien bereits Käufe entstanden. Mit wachsendem Budget wurde die Einschätzung nüchterner: CPMs über 65 $, und als größeres Problem nicht der Preis, sondern die Klickrate. Klar umrissene Anwendungsfälle liefen deutlich besser als breite, allgemeine Botschaften.
Die Agentur Common Thread Collective hat einen E-Commerce-Kunden mit hohem Warenkorbwert von 7 $ Tagesbudget auf über 1.000 $ pro Tag hochgefahren. Nach 9.620 $ Ausgaben standen ein durchschnittlicher Klickpreis von 4,41 $ und eine Klickrate von 0,94 % bei rund 136.000 Einblendungen pro Woche. Der zugeordnete Umsatz lag – je nach Zuordnungsmodell – zwischen 19.000 und 38.000 $, der geschätzte Werbeertrag (ROAS) entsprechend zwischen 3,3- und 6,8-fach. Die Bandbreite entsteht allein durch die Frage, welches Messmodell man anlegt.
Ein B2B-Test von Floyd Blaikie lief über rund 7.000 kanadische Dollar bei 9,29 $ Klickpreis, 64,34 $ CPM und 0,7 % Klickrate. Das Aufschlussreiche kam erst außerhalb des Ads Managers: Über eine Besucher-Identifikation ließen sich hinter 336 bezahlten Klicks 146 Organisationen zuordnen – von denen nur fünf zum Wunschkundenprofil passten. Im Ads Manager selbst wäre das nicht sichtbar geworden.
Die Agentur Synter zeigt schließlich, wie stark die Geografie hineinspielt. Über 4.428,84 $ Ausgaben lag der Klickpreis im Schnitt bei 9,89 $ – aufgeschlüsselt nach Markt aber bei 5,10 $ in Großbritannien, 10,62 $ in den USA, 17,59 $ in Australien und 22,89 $ in Neuseeland. Die beiden letzten Märkte hatten allerdings deutlich weniger Volumen, was die Zahlen unsicherer macht.
Warum die Spanne so groß ist
Die Erklärung liegt zu einem guten Teil in dem, was der Ads Manager nicht zeigt. Verfügbar sind Einblendungen, Klicks, Ausgaben, Klickrate, durchschnittlicher CPC, durchschnittlicher CPM und Conversions – auf Kampagnen-, Anzeigengruppen- und Anzeigenebene, mit CSV-Export. Conversion-Messung läuft über das OpenAI-Pixel und die Conversions API.
Was fehlt, ist alles Wettbewerbsbezogene: Es gibt kein Gegenstück zu den Auktionsdaten aus Google Ads, keinen Anteil an möglichen Einblendungen, keine Auktionsdiagnose. Steigt der Klickpreis, lässt sich mit den vorhandenen Daten kaum trennen, ob mehr Wettbewerb, schlechtere Passung, weniger Inventar oder schlicht andere Gesprächsthemen dahinterstecken.
Dazu kommt die Mechanik: ChatGPT Ads nutzt laut OpenAI-Hilfeseite eine relevanzgewichtete Zweitpreis-Auktion. Welche Anzeige erscheint, entscheidet sich vor allem am Kontext und der Absicht des Gesprächs, dazu kommen Signale von Zielseite, Anzeigenmotiv und den vom Werbetreibenden hinterlegten Kontext-Hinweisen. Diese Hinweise sind ausdrücklich keine Keywords – sie garantieren keine Ausspielung zu bestimmten Wörtern, Zielgruppen oder Gesprächen. Der Werbetreibende kennt sein Höchstgebot und den gezahlten Preis, sieht aber weder den Wettbewerbsdruck dahinter noch, wie die Relevanzbewertung das Ergebnis verschoben hat.
Die 3 bis 5 Dollar sind ein Startgebot – kein Vergleichswert
Eine Zahl kursiert inzwischen in fast jeder Diskussion über ChatGPT Ads: 3 bis 5 $ pro Klick. Sie stammt tatsächlich von OpenAI – aber als Empfehlung für das anfängliche Höchstgebot, nicht als Durchschnittswert der Plattform. OpenAI schreibt in der eigenen Hilfe ausdrücklich, dass es noch keine Leistungs-Benchmarks über Werbetreibende, Branchen oder Kampagnentypen hinweg gibt.
Die Gefahr ist offensichtlich: Je öfter die Zahl weitergereicht wird, desto eher fällt das Wort „empfohlen" weg und aus einem Startgebot wird ein vermeintlicher Branchenwert. Die vier Tests oben zeigen, wie wenig das über den tatsächlich gezahlten Preis aussagt. Hinzu kommt, dass OpenAI im August die Gebotsstrategie „Maximize results" zum Standard für neue, dafür infrage kommende Anzeigengruppen gemacht hat – sie setzt und verändert Gebote automatisch. Wer eine harte Obergrenze will, muss aktiv auf manuelle Gebote zurückwechseln.
Und noch eine Einschränkung: die Reichweite
Anzeigen erscheinen weiterhin nur bei Nutzern der Tarife Free und Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei, ebenso Konten, die als minderjährig erkannt werden. Die werbefähige Zielgruppe ist also nicht identisch mit „allen ChatGPT-Nutzern" – wer mit den großen Gesamtzahlen kalkuliert, überschätzt seine Reichweite. Für die meisten Konsumthemen ist die Free-Nutzerschaft trotzdem eine sehr große und gut passende Gruppe; für hochpreisige oder sehr spitze Angebote lohnt die Frage, ob man die richtigen Leute überhaupt erreicht.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Der fehlende Benchmark ist kein Grund, den Kanal zu meiden – aber ein starker Grund, einen Test anders aufzusetzen als auf einer eingespielten Plattform. Drei Dinge haben sich aus den bisherigen Erfahrungen als sinnvoll herauskristallisiert.
Erstens: Erfolgskriterien vor dem ersten Euro festlegen. Nicht „ist der CPC gut?", sondern „was muss dabei herauskommen, damit wir weitermachen?". Der Klickpreis eines fremden Werbetreibenden sagt wenig, solange man dessen Wettbewerb, Zielgruppe und Gesprächskontexte nicht kennt.
Zweitens: Messung außerhalb des Ads Managers von Anfang an mitplanen. Die interessantesten Erkenntnisse der veröffentlichten Tests stammen genau von dort – Umsatzzuordnung, Verhalten nach dem Klick, die Frage, welche Unternehmen tatsächlich auf der Seite gelandet sind. Der B2B-Test oben hätte im Ads Manager wie ein solider Kanal ausgesehen.
Drittens: frühe Ergebnisse vorsichtiger bewerten. Weil weniger Diagnose-Signale zur Verfügung stehen, ist schwer zu unterscheiden, ob ein schwacher Zeitraum an der Kampagne lag oder an der Ausspielung und den Gesprächen, die in dieser Woche zufällig verfügbar waren. Mehr Datenpunkte vor der Entscheidung sind hier mehr wert als schnelle Schlüsse.
ChatGPT Ads ist seit Ende August in Deutschland selbst buchbar, und als Agentur schalten wir den Kanal jederzeit für Kunden – mit Konto-Setup, Chat-Card-Creatives und einer Messung, die nicht beim Ads Manager aufhört. Was das konkret umfasst, steht auf unserer Seite zur ChatGPT-Ads-Begleitung.
Fazit
Sechs Monate nach dem Start hat ChatGPT Ads viel gewonnen – Märkte, Gebotsarten, Messwerkzeuge – und eine Lücke behalten: Es gibt keinen öffentlichen Maßstab dafür, was gute Leistung ist. Die veröffentlichten Klickpreise zwischen unter 3 und 22,89 $ sind kein Widerspruch, sondern das erwartbare Bild eines Kanals ohne Wettbewerbs-Transparenz. Für Werbetreibende heißt das: Der Maßstab kommt aus dem eigenen Geschäft, nicht aus einer Tabelle im Netz.
