Praxis
Kostenlos sehen, ob eine KI Ihre Website zitiert – so geht's
Von Alex Buchanan9. August 20266 Min. Lesezeit
Lange war es ein blinder Fleck: Firmen wussten nicht, ob eine KI ihre Website überhaupt als Quelle heranzieht. Seit Anfang 2026 gibt es dafür ein kostenloses Werkzeug – direkt von Microsoft. Es ist kein Wundermittel, aber der erste echte Blick hinter die Kulissen.
Das Problem: Empfehlungen ohne Rückmeldung
Wenn ChatGPT, Copilot oder Gemini in einer Antwort auf eine Website verweisen, bekommt der Betreiber davon nichts mit. Keine Meldung, kein Klick, oft nicht einmal ein Besuch. Bei der klassischen Google-Suche konnte man in Berichten nachlesen, für welche Suchbegriffe die eigene Seite erschien – bei der KI-Suche war lange nur Raten möglich. Genau dieser blinde Fleck ist der Grund, warum viele Betriebe bis heute nicht wissen, ob sie in der Welt der KI-Antworten sichtbar sind oder gar nicht vorkommen. Wie man KI-Sichtbarkeit überhaupt greifbar macht, haben wir grundsätzlich in KI-Sichtbarkeit messen beschrieben.
Ein neues, kostenloses Werkzeug von Microsoft
Am 9. Februar 2026 hat Microsoft in den Bing Webmaster Tools einen Bericht namens „AI Performance" freigeschaltet – als erster großer Suchanbieter überhaupt, der zeigt, wann eine KI Inhalte einer Website als Quelle nutzt. Im Juni 2026 wurde der Bericht ausgebaut, unter anderem um Themengruppen und einen „Zitat-Anteil" im Vergleich zu anderen Seiten. Erfasst werden Nennungen in Microsoft Copilot, den KI-Zusammenfassungen von Bing und ausgewählten Partner-Diensten.
Der wichtige Punkt für Sie: Das Werkzeug kostet nichts. Sie brauchen nur ein Bing-Webmaster-Konto und müssen einmal bestätigen, dass Ihnen die Website gehört. Danach sehen Sie echte Daten – keine Schätzung, sondern von Microsoft gemessene Zitate.
Was der Bericht anzeigt
Nach der Freischaltung finden Sie im Menü links den Punkt „AI Performance". Standardmäßig zeigt er die letzten 30 Tage. Die wichtigsten Kennzahlen in verständlichen Worten:
- Zahl der Zitate – wie oft die KI eine Seite Ihrer Website genutzt hat, um eine Antwort zu formulieren.
- Zitierte Seiten pro Tag – welche einzelnen Unterseiten aufgegriffen werden. So erkennen Sie, welcher Inhalt bei der KI zieht und welcher nicht.
- Grounding-Anfragen – die Suchbegriffe, die Copilot intern selbst formuliert, wenn es für eine Antwort etwas nachschlagen muss. Das ist bares Gold: Sie sehen die echten Fragen, hinter denen Ihre Seite auftaucht.
- Verlauf über die Zeit – ob Ihre KI-Zitate steigen oder fallen, statt nur einer Momentaufnahme.
Besonders die Grounding-Anfragen sind ein Aha-Moment. Sie zeigen nicht, was Sie glauben, wonach Kunden suchen, sondern welche Formulierungen die KI tatsächlich verwendet, um an Inhalte zu kommen. Wer versteht, nach welchen Fragen die eigene Seite gefunden wird, kann seine Inhalte gezielt darauf ausrichten.
Schritt für Schritt eingerichtet
Sie müssen dafür kein Technik-Profi sein. In Kurzform:
- 1. Ein kostenloses Konto bei den Bing Webmaster Tools anlegen (mit Microsoft-, Google- oder E-Mail-Login).
- 2. Ihre Website hinzufügen. Wenn Sie sie schon in der Google Search Console haben, lässt sie sich mit einem Klick importieren – das spart die manuelle Bestätigung.
- 3. Andernfalls die Website einmal bestätigen (kleine Datei hochladen, DNS-Eintrag oder Meta-Tag – Ihr Webbetreuer erledigt das in Minuten).
- 4. Ein bis zwei Tage warten, dann im Menü links „AI Performance" öffnen.
Das war es. Ab da sammelt der Bericht die Daten automatisch, Monat für Monat.
Die ehrliche Einordnung – was das Werkzeug nicht kann
So nützlich der Bericht ist, man sollte ihn richtig einordnen. Drei Dinge müssen Sie wissen:
- Nur Ihre eigene Website. Der Bericht zeigt Zitate der Seite, die Sie bestätigt haben – nicht, wie Ihr Wettbewerber abschneidet, und nicht, ob die KI Sie in einem Fließtext ohne Quellenlink erwähnt.
- Nur ein KI-Lager. Erfasst werden Copilot und Bing. Auf dem deutschen Markt laufen die meisten KI-Fragen aber über ChatGPT, Perplexity, Google und Gemini – die tauchen in diesem Bericht nicht auf.
- Zitat ist nicht gleich Empfehlung. Dass Ihre Seite als Quelle genutzt wurde, heißt noch nicht, dass die KI Sie am Ende auch als Anbieter empfiehlt. Das sind zwei verschiedene Dinge.
Anders gesagt: Der Microsoft-Bericht ist ein starkes Fernglas – aber nur in eine Richtung. Für das Gesamtbild braucht es den Blick über alle KIs hinweg und die Frage, ob Sie in echten Kaufsituationen genannt werden.
Was Sie mit den Erkenntnissen anfangen
Der eigentliche Wert liegt nicht im Zuschauen, sondern im Handeln. Sehen Sie, welche Unterseiten zitiert werden, wissen Sie, welcher Inhaltstyp bei der KI funktioniert – und können mehr davon bauen. Sehen Sie die Grounding-Anfragen, kennen Sie die echten Fragen Ihrer Zielgruppe und können sie sauber beantworten. Und sehen Sie über Wochen, dass die Zitate steigen, haben Sie zum ersten Mal einen belastbaren Beweis, dass Ihre Arbeit an der KI-Sichtbarkeit wirkt.
Warum die KI überhaupt bestimmte Quellen bevorzugt und andere ignoriert, vertiefen wir in Woher die KI ihre Empfehlungen nimmt. Und wenn Sie speziell lokal gefunden werden wollen, hilft GEO für lokale Unternehmen weiter.
Sehen Sie, was die KI heute über Sie weiß
Der kostenlose KI-Check zeigt über ChatGPT, Perplexity, Gemini und Claude, ob und wo Sie bei echten Kundenfragen genannt werden. Website eingeben, rund 30 Sekunden, ohne Anmeldung.
Quellen: Search Engine Journal, „Bing Webmaster Tools Adds AI Citation Performance Data" (Februar 2026). PPC Land, „Bing gives publishers first look at how AI systems cite their content" (2026). Microsoft Bing Webmaster Tools, Bericht „AI Performance" (Freischaltung 9. Februar 2026, Erweiterung 16. Juni 2026).