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llms.txt: Brauchen Sie diese Datei wirklich? Was die Daten sagen

Von Alex Buchanan21. August 20266 Min. Lesezeit

Seit Monaten bekommen Unternehmen Angebote für eine kleine Textdatei namens llms.txt – angeblich die Eintrittskarte, damit ChatGPT und Perplexity sie empfehlen. Inzwischen gibt es belastbare Zahlen dazu. Sie sind ernüchternd. Hier steht, was die Datei ist, was sie messbar bringt, und wohin Ihr Geld stattdessen gehört.

Worum es überhaupt geht

Die Idee ist schnell erklärt. Viele kennen die Datei robots.txt: eine schlichte Textdatei auf einer Website, die Suchmaschinen mitteilt, welche Bereiche sie ansehen dürfen. Die llms.txt sollte etwas Ähnliches für künstliche Intelligenz sein – eine Art Inhaltsverzeichnis in einfacher Sprache, das KI-Systemen sagt: „Das hier sind meine wichtigsten Seiten, so ist mein Angebot aufgebaut."

Das klingt vernünftig. Der Haken: Ein solcher Vorschlag ist erst dann etwas wert, wenn die Empfänger ihn auch lesen. Und genau das tun sie bislang kaum.

Die Zahl, um die es geht: 97 Prozent

Das SEO-Unternehmen Ahrefs hat im Sommer 2026 die Server-Protokolle von rund 137.000 Domains ausgewertet – also die Aufzeichnungen darüber, welcher Besucher oder welches Programm welche Datei abgerufen hat. Das Ergebnis: 97 Prozent aller llms.txt-Dateien wurden in dem untersuchten Monat kein einziges Mal abgerufen. Weder von einem Bot noch von einem Menschen. Von rund 38.000 Domains mit gültiger Datei bekamen nur etwa 1.100 überhaupt Zugriffe.

Noch interessanter ist, wer die Datei in den seltenen Fällen abholt. Ganz vorne liegen SEO-Prüfwerkzeuge (rund 21 % der Anfragen), nicht identifizierbare Bots und klassische Web-Crawler. Die KI-Bots, die tatsächlich für Antworten in ChatGPT oder Perplexity zuständig sind, machten laut der Auswertung rund 1 Prozent der Anfragen aus. Ahrefs schreibt trocken, dass der Chat-Dienst Slack die Datei häufiger abrief als der Perplexity-Bot.

Eine frühere Auswertung von SE Ranking über 300.000 Domains kam zum selben Schluss aus anderer Richtung: kein erkennbarer Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein einer llms.txt und der Häufigkeit, mit der eine Seite in KI-Antworten zitiert wird.

Was Google dazu sagt

Auch die Anbieterseite lässt wenig Spielraum. John Mueller von Google hat öffentlich festgehalten, dass ihm kein KI-System bekannt sei, das llms.txt derzeit nutzt. Er vergleicht die Datei mit dem alten Keywords-Meta-Tag – jenem Feld, in das Website-Betreiber früher ihre Wunsch-Suchbegriffe schrieben und das Suchmaschinen seit über einem Jahrzehnt ignorieren. Der Grund ist derselbe: Was der Seitenbetreiber selbst über sich behauptet, ist leicht zu manipulieren und damit als Vertrauensquelle wenig wert.

Das ist im Kern dieselbe Logik, die auch sonst über KI-Empfehlungen entscheidet. Wir haben in Woher die KI ihre Empfehlungen nimmt beschrieben, warum Erwähnungen auf fremden Seiten in aller Regel schwerer wiegen als Selbstauskünfte auf der eigenen.

Statt zu raten: einmal nachsehen

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Warum sich der Mythos trotzdem hält

Drei Gründe, die ineinandergreifen.

Erstens: Sie ist billig zu verkaufen. Eine llms.txt ist in einer halben Stunde erstellt. Für eine Agentur ist das ein Angebot mit hoher Marge und ohne Risiko – niemand kann kurzfristig nachweisen, dass es nichts gebracht hat.

Zweitens: Es gibt eine Prüf-Industrie um die Datei herum. In der Ahrefs-Auswertung stammten rund 12 Prozent der Zugriffe von Werkzeugen, die die Datei bewerten oder katalogisieren – also von Software, die prüft, ob eine llms.txt existiert, nicht von KI, die sie nutzt. Wer sein „KI-Readiness-Ergebnis" von so einem Werkzeug bekommt, sieht einen grünen Haken und hält das für Wirkung.

Drittens: widersprüchliche Signale. Ein Prüfwerkzeug im Chrome-Browser fragt die Datei ab, während die Google-Suche erklärt, sie nicht zu verwenden. Solche Widersprüche halten Diskussionen am Leben, auch wenn die Datenlage klar ist.

Heißt das, Sie sollen sie löschen?

Nein. Wenn Sie bereits eine haben, richtet sie keinen Schaden an, und sie kostet nichts im Unterhalt. Zwei Punkte sollten Sie trotzdem kennen:

Was stattdessen wirkt

Die unspektakuläre Wahrheit: Es sind dieselben Dinge, die auch ohne KI schon zählten – nur werden sie jetzt anders eingesammelt.

Welche Merkmale dabei am stärksten wiegen, haben wir in 5 Signale, an denen KI-Assistenten erkennen, wem sie vertrauen aufgeschlüsselt.

Der eigentliche Punkt

Rund um KI-Sichtbarkeit entsteht gerade sehr schnell sehr viel Angebot – und ein Teil davon verkauft Technik, die schlicht keine Wirkung hat. Der beste Schutz dagegen ist unbequem einfach: Bevor Sie etwas kaufen, messen Sie den Ist-Zustand. Wenn Sie wissen, bei welchen Fragen Sie heute fehlen und wer stattdessen genannt wird, können Sie jedes Angebot daran prüfen, ob es diese Lücke plausibel schließt.

Wie sich das ohne Werkzeuge und ohne Budget grob überschlagen lässt, steht in KI-Sichtbarkeit messen. Alles andere ist Raten – und dafür ist die Sache zu ernst geworden.

Quellen: Search Engine Journal, „97% Of llms.txt Files Got No Requests, Ahrefs Data Shows" (16. Juni 2026), auf Basis der Ahrefs-Auswertung von 137.000 Domains. Search Engine Journal, „llms.txt Shows No Clear Effect On AI Citations, Based On 300K Domains" (SE Ranking-Analyse). Aussagen von John Mueller (Google) zu llms.txt, dokumentiert bei Search Engine Roundtable und Search Engine Land.