Studie
250.000 KI-Antworten ausgewertet: Diese Quellen zitieren ChatGPT, Google & Perplexity
Von Alex Buchanan15. August 20266 Min. Lesezeit
Zum ersten Mal liegen belastbare Zahlen für den deutschsprachigen Raum vor: Eine Auswertung von 250.000 KI-Antworten zeigt, worauf sich ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity stützen, wenn sie Anbieter nennen. Das Ergebnis ist teils erwartbar – und in einem Punkt überraschend.
Was genau untersucht wurde
Das Analyse-Unternehmen blinq hat zwischen Januar und Juni 2026 rund 2.000 typische Suchfragen aus verschiedenen Branchen täglich an ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity gestellt – insgesamt kamen dabei 250.000 Antworten zusammen. Ausgewertet wurde, welche Websites die drei Systeme in diesen Antworten als Quelle angeben.
Eine wichtige Einordnung vorweg, damit wir ehrlich bleiben: Die Studie zeigt, welche Quellen sichtbar zitiert werden. Sie sagt nichts darüber, welche Inhalte die Modelle intern zusätzlich verarbeitet haben oder wie stark eine einzelne Quelle die Antwort tatsächlich geprägt hat. Es ist ein Blick auf die Fußnoten, nicht in den Kopf der Maschine. Trotzdem sind es die besten Daten, die wir für den deutschen Markt derzeit haben.
Die eigene Website ist die wichtigste Quelle – mit Abstand
Der größte Block sind offizielle Unternehmensseiten: Websites, Firmen-Blogs und Landingpages machen 66,2 Prozent aller zitierten Quellen aus. Der Rest verteilt sich so:
- Fachmedien: 7,4 Prozent
- Nutzergenerierte Inhalte (Foren, Social Media): 6,4 Prozent
- Bewertungsportale: 5,4 Prozent
- Nachrichtenportale: 5,2 Prozent
- Nachschlagewerke wie Wikipedia: 4,9 Prozent
Für kleinere Betriebe ist das eine gute Nachricht. Die eigene Website ist nicht plötzlich wertlos geworden – sie bleibt der Ort, von dem die KI ihre Sachinformationen holt: was Sie anbieten, wo Sie sitzen, für wen Sie arbeiten. Wer hier schwammig formuliert oder Leistungen nur in einer Bildergalerie versteckt, macht es der Maschine unnötig schwer.
Der Umkehrschluss stimmt aber nicht. Dass 66 Prozent der Zitate von Unternehmensseiten kommen, heißt nicht, dass eine gute Website reicht, um genannt zu werden. Zitiert wird nur, wer vorher ausgewählt wurde – und die Auswahl trifft die KI anhand ganz anderer Signale. Welche das sind, haben wir in 5 Signale, an denen KI-Assistenten erkennen, wem sie vertrauen aufgeschlüsselt.
Die Überraschung: YouTube und Reddit vor allen Nachrichtenmedien
Schaut man nicht auf Kategorien, sondern auf einzelne Websites, kippt das Bild. An der Spitze steht kein Fachmedium und keine Zeitung, sondern:
- YouTube: 15,18 Prozent
- Reddit: 14,55 Prozent
- Wikipedia: 9,05 Prozent
- LinkedIn: 7,12 Prozent
Fast jede dritte Quellenangabe stammt also von YouTube oder Reddit. Der Grund ist weniger mysteriös, als er klingt: Auf beiden Plattformen liegen riesige Mengen frei zugänglicher, gut strukturierter Erfahrungsberichte – und YouTube-Videos haben automatische Transkripte, sind für eine Maschine also schlicht lesbarer Text. Dazu kommt ein Nutzerverhalten, das viele von sich selbst kennen: Man liest die KI-Antwort und geht anschließend zu Reddit, um zu prüfen, ob echte Menschen das genauso sehen.
Für einen Handwerksbetrieb oder eine Kanzlei heißt das nicht, ab morgen einen YouTube-Kanal aufzubauen. Es heißt: Die KI hört an Orten zu, an denen über Sie gesprochen wird – nicht nur dort, wo Sie selbst sprechen.
Jede KI hat ihren eigenen Geschmack
Der praktisch wichtigste Befund der Auswertung ist ein anderer: Die drei Systeme zitieren erkennbar unterschiedlich.
- ChatGPT greift öfter auf Nachschlagewerke, Fachquellen und Nachrichtenmedien zurück – Reddit und Wikipedia stehen weit oben.
- Google AI Overviews zitiert am stärksten nutzergenerierte Inhalte und bedient sich auffällig gern im eigenen Ökosystem: YouTube spielt hier eine deutlich größere Rolle als bei ChatGPT, dazu kommen Instagram, LinkedIn und Facebook.
- Perplexity mischt beides – Community-Inhalte wie YouTube, Reddit, LinkedIn und Instagram, ergänzt um Wikipedia und Wirtschaftsmedien.
Das erklärt eine Beobachtung, die viele Betriebe irritiert: dass sie in einer KI regelmäßig auftauchen und in der nächsten überhaupt nicht. Das ist kein Messfehler und kein Zufall, sondern die Folge unterschiedlicher Quellenvorlieben. Wer nur bei einem Anbieter nachschaut, sieht ein Drittel der Wirklichkeit. Genau deshalb messen wir im Monitoring über mehrere Systeme parallel – warum Einzelmessungen zusätzlich schwanken, steht in Warum KI-Sichtbarkeit schwankt.
Bei Kaufentscheidungen zählen Bewertungsportale
Sobald es um Produkte, Dienstleister oder Arbeitgeber geht, verschiebt sich das Quellenbild noch einmal: Dann ziehen die KI-Systeme besonders häufig Bewertungs-, Vergleichs- und Testportale heran – in der Auswertung etwa OMR Reviews, test.de, Kununu, Stepstone, OMT und Idealo.
Das ist logisch. Genau diese Portale liefern das, was ein Sprachmodell für eine Empfehlung braucht: strukturierte, vergleichbare Urteile von Dritten. Für Sie folgt daraus eine sehr konkrete Aufgabe – nämlich in den Portalen Ihrer Branche überhaupt vorzukommen, dort vollständige Angaben zu haben und echte Bewertungen zu sammeln. Ein leeres oder gar nicht vorhandenes Profil ist im KI-Zeitalter kein neutraler Zustand, sondern eine Lücke im Bild.
Was Sie daraus mitnehmen sollten
Vier Punkte, die sich aus den Zahlen ableiten lassen:
- Die eigene Website bleibt Pflicht, aber sie ist die Kür-Bühne, nicht die Eintrittskarte. Sie liefert die Fakten – ausgewählt werden Sie woanders.
- Erwähnungen durch Dritte sind der Hebel. Verzeichnisse, Bewertungsportale, Fachbeiträge, Foren. Was andere über Sie schreiben, wiegt in KI-Antworten schwerer als Ihre eigene Selbstbeschreibung.
- Einheitlichkeit schlägt Lautstärke. Wenn Name, Adresse, Leistungen und Region überall gleich dastehen, wird das Bild für die Maschine eindeutig – und eindeutige Anbieter werden eher genannt.
- Messen Sie über mehrere Systeme. Ein einzelner ChatGPT-Test ist eine Momentaufnahme aus einer von drei Perspektiven.
Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, wie diese Bausteine für einen lokalen Betrieb konkret aussehen, ist GEO für lokale Unternehmen der passende nächste Artikel.
Und was die Studie nicht sagt
Zum Schluss die nötige Skepsis: Häufig zitiert heißt nicht automatisch zuverlässig. Dass YouTube und Reddit vorne liegen, ist eine Aussage über Verfügbarkeit und Maschinenlesbarkeit von Inhalten – kein Qualitätsurteil. Und die Zahlen stammen aus einem halben Jahr in einem Feld, das sich schnell bewegt; in sechs Monaten kann die Verteilung anders aussehen. Was sich absehbar nicht ändert, ist das Prinzip dahinter: Empfohlen wird, wer an mehreren voneinander unabhängigen Stellen konsistent auftaucht.
Quelle: blinq, „LLM-Quellen-Studie“ – Auswertung von 250.000 Antworten aus ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity auf rund 2.000 Prompts, erhoben täglich von Januar bis Juni 2026 (theblinq.de). Zusammenfassung und Einordnung: Marié Detlefsen, „Diese Websites zitieren ChatGPT und Co. am häufigsten“, OnlineMarketing.de, 23. Juli 2026.