Studie
Platz 1 bei Google, unsichtbar in der KI – was der neue Gelbe-Seiten-Bericht zeigt
Von Alex Buchanan14. September 20266 Min. Lesezeit
Viele Betriebe haben jahrelang für die vordere Google-Seite gearbeitet. Ein neuer deutscher Bericht auf Basis von 10.000 Suchen zeigt: Dieser Platz schützt nicht davor, in KI-Antworten schlicht nicht vorzukommen. Drei Viertel der Google-Top-10 werden von ChatGPT & Co. übergangen.
Die Zahl, die man zweimal liest
Anfang September hat pdm solutions – der Betreiber hinter Gelbe Seiten, Das Örtliche und Das Telefonbuch – den „KI-Sichtbarkeitsbericht 2026" veröffentlicht. Grundlage sind 10.000 Suchanfragen aus zehn Branchen. Das zentrale Ergebnis: 76,9 Prozent der Unternehmen, die bei Google in den Top 10 stehen, tauchen in den Antworten von KI-Assistenten überhaupt nicht auf.
Anders gesagt: Von zehn Betrieben, die bei Google auf der ersten Seite sichtbar sind, schaffen es im Schnitt gerade einmal zwei bis drei in das Empfehlungs-Set der KI. Der Rest existiert für ChatGPT, Gemini oder Perplexity in dieser Situation nicht.
Von langen Listen zu knapp fünf Namen
Der Grund dafür ist keine Bosheit der Maschine, sondern ein Formatunterschied. Google beantwortet eine Suche mit einer Liste: zehn blaue Links, dazu Karte, Anzeigen, Bewertungen. Der Nutzer sortiert selbst. Eine KI beantwortet dieselbe Frage in einem Absatz – und dort passen keine zehn Namen hinein.
Der Bericht beziffert das konkret: Im Schnitt nennen die KI-Assistenten nur 4,8 Betriebe pro Suche. Das ist der eigentliche Kern der Sache. Die Auswahl schrumpft von zehn sichtbaren Plätzen auf etwa fünf – und damit halbiert sich die Zahl der Betriebe, die überhaupt eine Chance auf den Auftrag haben. Wer früher Platz 7 hatte und damit leben konnte, ist jetzt einfach draußen. Warum die KI dabei ausgerechnet den Wettbewerber wählt, haben wir in diesem Artikel aufgeschlüsselt.
Und die Mehrheit kommt gar nicht aus Google
Der aus meiner Sicht interessanteste Befund steht etwas versteckt in der Mitteilung: Knapp 59 Prozent der von der KI genannten Firmen stammen gar nicht aus den Google-Top-10. Sie werden über andere Wege gefunden – Verzeichnisse, Fachplattformen und die Unternehmenswebsites selbst.
Das dreht die übliche Logik um. Die verbreitete Annahme lautet: „Ich arbeite mich bei Google nach oben, dann findet mich die KI automatisch." Die Daten sagen etwas anderes. Die KI baut ihre Kandidatenliste zu großen Teilen aus Quellen zusammen, die mit dem Google-Ranking wenig zu tun haben. Ein Betrieb auf Platz 14 bei Google, der in drei gepflegten Branchenverzeichnissen mit sauberen Daten steht, kann in der KI-Antwort stehen – während Platz 2 fehlt.
Das passt zu dem, was großflächige Auswertungen für den deutschsprachigen Raum ebenfalls zeigen: Die KI zitiert auffällig gern Drittquellen statt Eigenwerbung.
Ein ehrliches Wort zur Quelle
Man sollte dazusagen, wer hier misst: Der Bericht kommt von einem Verzeichnisbetreiber. Dass er zu dem Schluss kommt, Verzeichnisse seien für KI-Empfehlungen wichtig, ist bequem – und ein Interessenkonflikt, den man kennen muss. Der Bericht bewirbt im gleichen Atemzug einen eigenen Check und einen kostenlosen Grundeintrag.
Trotzdem halte ich die Richtung für belastbar, weil sie sich mit unabhängigen Auswertungen und mit dem deckt, was wir in eigenen Messungen täglich sehen: KI-Assistenten bevorzugen Informationen, die an mehreren Stellen übereinstimmend belegt sind. Ein strukturierter Verzeichniseintrag ist genau so ein Beleg – aber eben einer von mehreren, nicht der eine Schalter. Wer nur einen Eintrag anlegt und sonst nichts ändert, wird den Unterschied kaum sehen.
Was das konkret für Ihren Betrieb heißt
Vier Dinge, die sich aus diesen Zahlen praktisch ableiten lassen – in der Reihenfolge, in der ich sie angehen würde:
- Erst messen, dann handeln. Ihr Google-Ranking sagt Ihnen nach diesen Daten wenig über Ihre KI-Sichtbarkeit. Das sind zwei getrennte Fragen und sie brauchen zwei getrennte Antworten. Stellen Sie der KI die Fragen, die Ihre Kunden wirklich stellen, und schauen Sie, wer genannt wird.
- Daten überall gleich halten. Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und Leistungen sollten auf der eigenen Website, im Google-Unternehmensprofil und in den relevanten Verzeichnissen identisch sein. Widersprüche sind der schnellste Weg, aus einer Empfehlung herauszufallen – die KI meidet, was sie nicht sauber bestätigen kann.
- Wenige, gepflegte Einträge statt Streuung. Es bringt nichts, sich in fünfzig Portalen einzutragen und keines zu pflegen. Zwei bis vier Verzeichnisse mit Gewicht in Ihrer Branche, dafür vollständig und aktuell, wirken mehr.
- Leistungen benennbar machen. „Ganzheitliche Lösungen für Ihr Zuhause" kann keine KI weiterempfehlen. „Wärmepumpen-Einbau in Stuttgart und Umgebung, Altbau-Sanierung, Notdienst" schon. Formulieren Sie so, wie ein Kunde fragen würde. Für lokale Betriebe haben wir das in GEO für lokale Betriebe ausführlicher beschrieben.
Das Fazit in einem Satz
Die erste Google-Seite war zehn Jahre lang das Ziel. Sie ist heute bestenfalls die Eintrittskarte in einen zweiten Auswahlprozess, der nach anderen Regeln läuft und deutlich weniger Plätze vergibt. Wer wissen will, ob er in diesen knapp fünf Namen vorkommt, muss nachsehen – raten hilft hier nicht.
Quellen: pdm solutions GmbH / Gelbe Seiten, „KI-Sichtbarkeitsbericht 2026" (Pressemitteilung vom 9. September 2026, veröffentlicht über presseportal.de; Datengrundlage: 10.000 Suchen über 10 Branchen). Alle in diesem Artikel genannten Prozentwerte stammen aus dieser Veröffentlichung.