Analyse

Kleine Websites verlieren am meisten – was die neuen Zahlen für Betriebe bedeuten

Von Alex Buchanan28. August 20266 Min. Lesezeit

Dass die KI-Antworten in der Suche Besucher kosten, ist inzwischen bekannt. Weniger bekannt ist: Der Verlust verteilt sich extrem ungleich. Kleine Websites trifft es am härtesten, große am wenigsten – und einzelne Seitentypen fast gar nicht. Wer das versteht, weiß, wo sich Aufwand noch lohnt und wo nicht mehr.

Die Zahl, über die zu wenig gesprochen wird

Die Analyse-Firma Chartbeat hat für einen Bericht, den Axios im März 2026 veröffentlicht hat, die Besucherströme tausender Websites über zwei Jahre ausgewertet. Das Ergebnis ist unbequem, aber aufschlussreich – und zwar vor allem wegen der Aufteilung:

Der Verlust ist also nicht gleichmäßig über das Netz verteilt, sondern läuft fast dreimal so stark gegen die Kleinen. Das ist kein Zufall: Große Marken sind der KI ohnehin bekannt, werden häufiger namentlich gesucht und tauchen in Antworten öfter als Referenz auf. Kleine Anbieter lebten dagegen überproportional von genau den Suchanfragen, die die KI heute direkt beantwortet.

Der zweite Teil der Rechnung: Es kommt kaum etwas zurück

Man könnte hoffen, dass der Verlust bei Google durch Besucher aus ChatGPT und Co. ausgeglichen wird. Nach denselben Daten passiert das bislang nicht: Verweise aus KI-Chatbots machen weniger als 1 % aller Seitenaufrufe aus. Der Kanal wächst, aber er wächst von einer sehr niedrigen Basis.

Das deckt sich mit einer Untersuchung des Pew Research Center, die das tatsächliche Surfverhalten von 900 Personen ausgewertet hat: Erschien eine KI-Zusammenfassung über den Suchergebnissen, klickten Nutzer nur noch bei 8 % der Suchen auf ein normales Ergebnis – ohne KI-Zusammenfassung waren es 15 %. Auf die Quellenlinks innerhalb der KI-Antwort klickte nur 1 %. Die Antwort selbst ist für die meisten Menschen das Ende der Suche.

Kurz: Der Besucher, der früher auf Ihrer Seite gelandet wäre, bekommt seine Antwort heute vorher – und darin steht ein Name. Ihrer oder der eines anderen.

Steht Ihr Name in dieser Antwort?

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Nicht jede Seite ist gleich betroffen

Hier wird es für kleine Unternehmen praktisch. Der Verlust konzentriert sich stark auf informierende Inhalte – also Seiten, die eine Frage erklären, statt ein Geschäft anzubahnen. Erklärtexte, Begriffsdefinitionen, „Wie funktioniert …"-Ratgeber, allgemeine Vergleichslisten: Genau das kann eine KI aus mehreren Quellen zusammenfassen, ohne dass jemand irgendwo klicken muss.

Deutlich stabiler sind dagegen Suchanfragen mit Orts- oder Kaufabsicht. Wer einen Dachdecker in Leipzig braucht, einen Termin buchen oder ein bestimmtes Produkt kaufen will, muss am Ende doch auf eine Seite – die KI kann die Handlung nicht für ihn erledigen. Für einen lokalen Handwerksbetrieb, eine Praxis oder ein Ladengeschäft ist das die gute Nachricht in einer sonst düsteren Statistik.

Daraus folgt eine ziemlich klare Priorisierung:

Warum das für Kleine sogar eine Chance ist

Bei der klassischen Google-Suche entscheiden Faktoren, bei denen kleine Anbieter fast immer verlieren: Alter der Domain, Zahl der Verlinkungen, Werbebudget. In KI-Antworten zählt anderes. Die Modelle greifen auf das zurück, was sie überprüfen können – klare, konsistente Angaben über mehrere Quellen hinweg, echte Bewertungen, Erwähnungen bei Dritten, eindeutige Zuordnung von Leistung und Ort. Nichts davon ist eine Frage der Firmengröße. Es ist eine Frage der Sorgfalt.

Wir sehen das regelmäßig in unseren Messungen: In vielen Städten und Branchen wird nicht der größte Anbieter genannt, sondern der, dessen Angaben im Netz am saubersten und am häufigsten übereinstimmen. Wer wissen will, welche Signale dabei konkret zählen, findet sie in 5 Signale, an denen KI-Assistenten erkennen, wem sie vertrauen. Und wo die KI ihre Informationen überhaupt herholt, haben wir in Woher die KI ihre Empfehlungen nimmt aufgeschrieben.

Was ich einem Betrieb heute raten würde

Drei Dinge, in dieser Reihenfolge:

Und ein vierter Punkt, der oft untergeht: einmal messen reicht nicht. KI-Antworten schwanken von Woche zu Woche, weil die Systeme laufend nachjustieren. Wer heute genannt wird, kann in vier Wochen fehlen – ohne dass sich an der eigenen Website etwas geändert hätte. Warum das so ist, steht in Warum KI-Sichtbarkeit schwankt.

Fazit

Die Zahlen zeigen keinen gleichmäßigen Rückgang, sondern eine Umverteilung. Wer nur auf allgemeine Erklärinhalte gesetzt hat, verliert – und zwar dauerhaft. Wer ein konkretes, örtliches Angebot hat und dafür sorgt, dass die KI ihn eindeutig zuordnen kann, steht besser da als je zuvor gegenüber größeren Wettbewerbern. Die Frage ist nicht mehr, ob Ihre Website gefunden wird. Die Frage ist, ob Ihr Name in der Antwort steht.

Quellen: Axios, „Exclusive: Small publishers hit hardest by search traffic declines" (17. März 2026, auf Basis von Chartbeat-Daten) – axios.com. Pew Research Center, „Google users are less likely to click on links when an AI summary appears in the results" (22. Juli 2025) – pewresearch.org.