Der berechtigte Einwand: die Menge ist noch klein
Fangen wir ehrlich an, denn wer Ihnen etwas anderes erzählt, verkauft Ihnen Angst. Gemessen an der reinen Besucherzahl ist KI-Verkehr heute noch ein Nischenkanal. Google schickt weiterhin den mit Abstand größten Teil aller Klicks ins Netz – nach aktuellen Auswertungen rund 87 % aller Suchmaschinen-Verweise. Alle KI-Chatbots zusammengenommen – ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity – liegen dagegen erst im Bereich von etwa einem Prozent. Wer nur auf die nackte Menge schaut, kommt also schnell zu dem Schluss: nette Spielerei, aber kein Geschäft.
Das ist der Punkt, an dem die meisten aufhören zu rechnen. Und genau da wird es interessant.
Warum die Rechnung trotzdem aufgeht: die Qualität
Ein Besucher ist nicht gleich ein Besucher. Entscheidend ist nicht, wie viele Menschen auf Ihre Seite kommen, sondern wie viele davon tatsächlich anfragen, buchen oder kaufen. Und hier drehen sich die Zahlen komplett um.
Das vielleicht deutlichste Beispiel liefert die Analysefirma Ahrefs mit eigenen Daten: KI-Assistenten machten dort nur etwa 0,5 % des gesamten Verkehrs aus – steuerten aber 12,1 % aller Anmeldungen bei. Ein halbes Prozent der Besucher, das ein Vielfaches an tatsächlichen Interessenten bringt. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein Muster.
Semrush kommt in einer breiteren Auswertung zu einem ähnlichen Bild: KI-Besucher waren dort im Schnitt rund viereinhalbmal so wertvoll wie klassische Besucher aus der organischen Suche, gemessen an der Kaufwahrscheinlichkeit. Und Adobe, das Verhalten auf sehr großen Websites misst, beobachtet seit Ende 2024 eine wachsende Lücke: Besucher aus KI-Antworten schließen im Schnitt etwa 16 % häufiger ab als andere – bei einzelnen Branchen, etwa Reise, stiegen die KI-Verweise sogar um fast das Dreifache, bei gleichzeitig besserem Engagement.
Die Botschaft dieser drei unabhängigen Quellen ist dieselbe: Wenig Menge, hohe Wirkung. KI-Verkehr ist heute klein, aber ungewöhnlich kaufkräftig.
Woher dieser Unterschied kommt
Der Grund ist eigentlich logisch, wenn man sich anschaut, wie Menschen KI heute nutzen. Wer bei Google sucht, steht oft noch ganz am Anfang und stöbert. Wer dagegen ChatGPT oder Perplexity fragt, formuliert meist ein konkretes Anliegen und bekommt eine vorsortierte Empfehlung zurück – nicht zehn blaue Links, sondern zwei, drei Namen mit Begründung.
Wenn Ihr Betrieb einer dieser Namen ist, kommt der Besucher also nicht neugierig, sondern bereits vorentschieden auf Ihre Seite. Die KI hat einen Teil der Auswahlarbeit schon erledigt und Sie faktisch empfohlen. Eine Empfehlung wiegt schwerer als ein Suchtreffer – online genauso wie im echten Leben, wenn ein Bekannter Ihnen einen Handwerker nennt.
Das erklärt auch, warum es so unangenehm ist, in diesen Antworten zu fehlen: Nicht genannt zu werden heißt nicht „ein paar Klicks weniger", sondern aus genau dem Moment herauszufallen, in dem die Kaufentscheidung fast schon gefallen ist. Warum die KI in solchen Momenten den einen und nicht den anderen nennt, habe ich in Warum empfiehlt die KI meinen Wettbewerber – und nicht mich? ausführlicher beschrieben.
