Amazon wird zum Einkaufsweg für ChatGPT-Anzeigen
Am 10. September 2026 hat Amazon Ads eine Partnerschaft mit OpenAI bekannt gegeben. Werbetreibende, die ihre Kampagnen ohnehin mit Amazon Ads planen und steuern, können diese Kampagnen damit auf ChatGPT ausweiten. Gekauft wird über die Amazon DSP – die Plattform, über die Amazon automatisiert Werbeplätze auf eigenen Seiten und im offenen Internet verkauft. Werbetreibende müssen dafür nicht direkt mit OpenAI zusammenarbeiten.
Die Arbeitsteilung ist dabei klar geregelt: Laut einem Amazon-Sprecher gegenüber CNBC richtet Amazon die Kampagnen ein und verwaltet sie, während das Anzeigensystem von OpenAI jede Entscheidung darüber trifft, welche Anzeige tatsächlich ausgespielt wird. Die Anzeigen erscheinen – wie gewohnt – als Text oder Bild unter der ChatGPT-Antwort und sind als Werbung gekennzeichnet. Abgerechnet werden kann laut TechRadar pro Klick oder pro tausend Einblendungen.
Zu den ersten Testkunden gehört Delta Vacations, die Reisesparte der US-Fluggesellschaft Delta. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um einen Pilot mit ausgewählten Werbetreibenden in den USA. In Deutschland lässt sich ChatGPT Ads über die Amazon DSP derzeit nicht buchen.
Warum der Schritt trotzdem wichtig ist
Bisher lief der Einkauf von ChatGPT-Anzeigen über die eigene Oberfläche von OpenAI, über große Agenturnetzwerke oder über kleinere Werbetechnik-Partner wie Criteo und Kargo, wie The Information berichtete. Mit Amazon kommt nun einer der größten Werbeverkäufer der Welt dazu – TechRadar beziffert das Amazon-Werbegeschäft unter Berufung auf Marketing Dive auf rund 70 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.
Für OpenAI heißt das: mehr Nachfrage, ohne selbst einen riesigen Vertrieb aufbauen zu müssen. Für den Markt heißt das: ChatGPT Ads wird zu einem Kanal, der sich in bestehende Mediapläne einfügen lässt, statt eine Insellösung zu bleiben. Genau so sind auch Google, Meta und später TikTok vom Experiment zum festen Budgetposten geworden.
Über 60 Länder – und Europa war vorne dabei
Am 23. September 2026 hat OpenAI den Start in sieben weiteren Märkten angekündigt: Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam und Taiwan. Damit ist ChatGPT Ads nach Angaben von OpenAI in über 60 Ländern verfügbar. Zuvor waren im asiatisch-pazifischen Raum bereits Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea und Indien gestartet.
Deutschland ist hier kein Nachzügler: ChatGPT Ads ist seit dem europaweiten Start am 24. August 2026 in Deutschland und 30 weiteren europäischen Ländern verfügbar, die Selbstbuchung über den Ads Manager läuft in der DACH-Region seit Ende August. Die neuen Märkte ändern für deutsche Werbetreibende also nichts an der Verfügbarkeit – sie sind aber interessant für alle, die auch international verkaufen und Kampagnen über mehrere Länder steuern möchten.
OpenAI nennt in derselben Mitteilung auch Zahlen zum Stand des Geschäfts: Ende August erreichte ChatGPT Ads eine hochgerechnete Jahresumsatzrate von 1 Milliarde US-Dollar – weniger als 200 Tage nach dem Start. Inzwischen schalten nach Unternehmensangaben „zehntausende" Werbetreibende Anzeigen in ChatGPT.
Was gleich bleibt
An den Grundregeln hat sich mit beiden Meldungen nichts geändert, und OpenAI wiederholt sie ausdrücklich:
Nur Free- und Go-Nutzer sehen Anzeigen. Plus-, Pro- und Enterprise-Abos bleiben werbefrei.
Anzeigen beeinflussen die Antworten nicht. Sie sind klar gekennzeichnet und von der eigentlichen KI-Antwort getrennt.
Gespräche bleiben privat. Werbetreibende bekommen keine Gesprächsinhalte, und OpenAI verkauft nach eigenen Angaben keine Nutzerdaten. Auch im Amazon-Pilot entscheidet das System von OpenAI, welche Anzeige erscheint – Amazon liefert die Kampagne, nicht die Auswahl.
Außerdem kündigt OpenAI für die kommenden Monate weitere Märkte, neue Formate sowie zusätzliche Optimierungs- und Messwerkzeuge an. Der Kanal bleibt also in Bewegung.
Was heißt das für Unternehmen in Deutschland?
1. Warten auf „den richtigen Einkaufsweg" lohnt nicht. Wer ChatGPT Ads testen will, muss nicht auf eine Amazon- oder sonstige Anbindung in Deutschland warten. Der Ads Manager ist hierzulande direkt nutzbar, und Agenturen können Kampagnen jederzeit für ihre Kunden aufsetzen.
2. Der Wettbewerb um die Plätze wird zunehmen. Je mehr Einkaufswege es gibt, desto mehr Budget fließt in denselben Werbeplatz. Wer jetzt Erfahrungen sammelt – welche Gesprächsthemen funktionieren, welche Chat-Card-Texte geklickt werden –, hat einen Vorsprung, wenn die Preise steigen.
3. Messung zuerst. Die Frage, ob sich ChatGPT Ads rechnet, ist branchenübergreifend noch offen. Verlässliche Antworten liefert nur die eigene, sauber eingerichtete Erfolgsmessung. Die sollte stehen, bevor größere Budgets fließen.
Fazit
Der September bringt keinen neuen Knopf für deutsche Werbekonten, aber ein deutliches Signal: Amazon verkauft ChatGPT-Anzeigen über die eigene Werbetechnik (vorerst als US-Pilot), und OpenAI ist in über 60 Ländern live. ChatGPT Ads entwickelt sich vom Experiment zum etablierten Kanal. In Deutschland ist er seit Ende August buchbar – mehr zum Einstieg finden Sie auf unserer Seite zu ChatGPT Ads für Unternehmen.
