Ein Datensatz, der lokale Fragen ernst nimmt
Die Agentur NeuRank hat im Juni 2026 insgesamt 800 lokale Anfragen ausgewertet: zehn Branchen, zwanzig deutsche Städte, jeweils an Perplexity und an ein OpenAI-Modell mit Websuche gestellt. Das ist keine Messung der fertigen ChatGPT-App, und die Autoren weisen selbst darauf hin, dass es eine Momentaufnahme ist. Als Richtungsanzeige taugt sie trotzdem gut, denn sie beantwortet eine Frage, die für Betriebe praktisch ist: Auf welche Seiten stützt sich die KI, wenn sie einen Anbieter vor Ort nennt?
Ein Teil der Ergebnisse ist bei uns bereits Thema, etwa der Unterschied zwischen den Systemen in diesem Beitrag. Hier geht es um zwei Punkte, die dort zu kurz kommen: welche Portale konkret zitiert werden und warum die Branche eine Rolle spielt.
Perplexity liebt Branchenportale
Bei Perplexity entfielen laut Auswertung 30,5 % aller Quellen auf Bewertungs- und Branchenportale. Das OpenAI-Modell dagegen stützte sich stattdessen auf Google Maps (38,0 % der Quellverweise) und griff auf Portale nur selten zurück. Über 60 % aller Quellen insgesamt waren aber ganz normale Websites – die Portale sind also ein wichtiger Baustein, nicht das ganze Bild.
Von den 5.645 Quellen, die Perplexity nannte, entfielen 1.152 auf Portale. Die am häufigsten zitierten waren werkenntdenbesten.de (269 Nennungen), gelbeseiten.de (100), dasoertliche.de (90), my-hammer.de (79) und trustlocal.de (64), dahinter folgten unter anderem Yelp, Tripadvisor und fachanwalt.de mit jeweils 35 bis 37 Nennungen. Auffällig ist: Es sind vor allem deutsche Verzeichnisse, nicht die großen internationalen Plattformen.
Warum Elektriker seltener vorkommen als Friseure
Spannend ist auch der Branchenvergleich. Im Schnitt nannte die KI 5,2 Unternehmen pro Antwort. Bei Familienrecht-Kanzleien waren es 6,2, bei Elektrikern nur 4,9. Zugleich versah die KI Elektriker-Antworten mit der höchsten Quote an Vorbehalten (22,5 %), während Friseure mit 3,8 % am wenigsten Einschränkungen bekamen. Die Studie vermutet, dass die Datenlage im Netz bei Elektrikern am dünnsten ist. Das ist eine Vermutung, kein Beweis – aber sie passt zu dem, was wir in der Praxis sehen: Wo viele aktuelle, eindeutige Einträge existieren, antwortet die KI selbstsicher. Wo wenig vorhanden ist, hält sie sich zurück.
Für einen Handwerksbetrieb heißt das: Die Branche entscheidet nicht über Ihr Schicksal, aber sie bestimmt, wie viel Mühe Sie in die Datenspur stecken müssen. Wer in einem „dünnen" Feld sauber auftritt, hebt sich leichter ab.
Was Sie daraus ableiten können
- Einträge prüfen, nicht nur anlegen. Name, Adresse, Telefonnummer und Leistungen sollten auf allen Portalen identisch sein. Widersprüche verunsichern die KI.
- Die relevanten Portale Ihrer Branche kennen. Ein Anwalt wird anders gefunden als ein Heizungsbauer. Fragen Sie die KI selbst und sehen Sie nach, welche Quellen sie nennt.
- Beschreibungen konkret schreiben. „Notdienst Heizung in Stuttgart-West, Wartung und Modernisierung" ist für ein Sprachmodell nützlicher als ein allgemeiner Werbesatz.
- Das Google-Profil nicht vergessen. Wie wichtig Karteneinträge sind, haben wir in diesem Artikel beschrieben.
- Eigene Website als Anker. Portale verweisen auf Sie; die eigene Seite sollte dieselben Aussagen belegen.
Wichtig zur Einordnung: Dass ein Portal häufig zitiert wird, heißt nicht, dass ein Eintrag dort automatisch zur Empfehlung führt. Es zeigt nur, wo die KI nachliest. Dass gute Google-Platzierungen allein ebenfalls nicht reichen, zeigt unser Beitrag Google Top 10 reicht nicht.
Fazit
Lokale KI-Sichtbarkeit entsteht nicht an einer einzigen Stelle. Je nach System sind es Karten, Portale oder Ihre eigene Seite – und je nach Branche ist das Netz mehr oder weniger gut gefüllt. Der pragmatische Weg: Prüfen Sie, was die KI heute über Sie findet, und beheben Sie zuerst die Lücken und Widersprüche.
