Analyse

Der Kauf in der KI ist gescheitert – die Empfehlung nicht

Von Alex Buchanan5. September 20266 Min. Lesezeit

Ein Jahr lang sah es so aus, als würde ChatGPT bald selbst zur Ladenkasse. Genau dieser Teil ist zurückgenommen worden. Was geblieben ist, ist der Teil, der für kleine und mittlere Betriebe ohnehin wichtiger war: Die KI sagt, zu wem man gehen soll.

Was versprochen war

Im September 2025 hat OpenAI eine Funktion namens „Instant Checkout" gestartet: Man sollte ein Produkt direkt im Chat kaufen können, ohne die Unterhaltung zu verlassen. Zahlung, Versandadresse, Bestätigung – alles im Fenster. Angekündigt war ein Anschluss von „über einer Million" Shopify-Händlern. Die Branche hat daraus schnell eine große Erzählung gemacht: Der Handel verlagere sich in den Chat, Websites würden zur Nebensache, wer nicht dabei sei, verliere den Anschluss.

Diese Erzählung ist inzwischen überholt. Im März 2026 berichteten CNBC und Modern Retail übereinstimmend, dass OpenAI die Kaufabwicklung im Chat deutlich zurückfährt. Nach Angaben der Forrester-Analystin Emily Pfeiffer waren zu dem Zeitpunkt überhaupt nur rund 30 Shopify-Händler tatsächlich live – gegen die eine Million, die angekündigt worden war.

Warum es nicht funktioniert hat

Der interessanteste Beleg kommt von Walmart. Der Konzern hatte ab November 2025 rund 200.000 Produkte über die Kauffunktion in ChatGPT anbieten lassen – also keine kleine Testreihe, sondern echter Verkauf in großem Maßstab. Das Ergebnis, öffentlich gemacht von Walmart-Manager Daniel Danker und berichtet unter anderem von Search Engine Land und CNBC: Wer den Kauf im Chat abschloss, tat das nur etwa einem Drittel so häufig wie jemand, der zuvor auf die Walmart-Seite geklickt hatte. Der Kauf im Chat schnitt also rund dreimal schlechter ab.

Der zweite Teil derselben Auswertung ist der eigentlich spannende. Denn dieselben Nutzer brachten Walmart etwa doppelt so viele Neukunden wie der Weg über klassische Suchmaschinen. Anders gesagt: Die KI war ein hervorragender Empfehler und ein schlechter Kassierer. Sie hat Menschen zu einem Anbieter geführt, den sie vorher nicht kannten – nur den letzten Schritt wollten diese Menschen dort machen, wo sie ein Konto, gespeicherte Zahlungsdaten und ein vertrautes Gefühl haben.

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Was die Käufer selbst sagen

Die Walmart-Zahlen passen zu dem, was Verbraucher direkt berichten. Semrush hat im Dezember 2025 gut 1.000 US-Konsumenten mit KI-Erfahrung befragt. Zwei Werte aus dieser Umfrage erzählen die ganze Geschichte:

Entdecken: ja. Bezahlen: eher nicht. Das ist keine Momentaufnahme einer gescheiterten Technik, sondern ein Hinweis darauf, wo Menschen der KI vertrauen und wo noch nicht. Bei der Frage „Wer kann das gut?" nimmt man einen Rat gern an. Bei der Frage „Wem gebe ich meine Kartendaten?" will man den Anbieter selbst sehen.

Die Arbeitsteilung, die sich durchgesetzt hat

Was sich aus dem letzten Jahr herausgeschält hat, lässt sich in einem Satz sagen: Entdeckt wird in der KI, gekauft wird bei Ihnen. Und dieser Satz ist für kleine und mittlere Betriebe eine ausgesprochen gute Nachricht.

Denn die Alternative wäre unangenehm gewesen. Hätte sich der Kauf tatsächlich in den Chat verlagert, wäre daraus schnell ein Plattformgeschäft geworden: technische Anbindung, Provisionen, Regeln, die jemand anders schreibt – und eine Kundenbeziehung, die einem nicht mehr gehört. Für einen Dachdecker, eine Steuerkanzlei oder ein Hotel mit zwölf Zimmern wäre das eine Hürde gewesen, die man kaum stemmen kann.

Die Welt, die stattdessen entstanden ist, verlangt genau eine Sache: dass die KI Sie kennt und Ihren Namen nennt, wenn jemand nach dem fragt, was Sie anbieten. Kein Vertrag, keine Schnittstelle, keine Provision. Nur Sichtbarkeit.

Was daraus praktisch folgt

Vier Punkte, die ich aus dieser Entwicklung mitnehmen würde:

Ein ehrliches Wort zur Einordnung

Zwei Dinge sollte man dazusagen. Erstens stammen die Walmart-Zahlen vom Unternehmen selbst; sie sind von mehreren Medien berichtet, aber nicht unabhängig nachgerechnet worden. Zweitens ist der Kauf im Chat nicht auf ewig erledigt. Er wird gerade neu gebaut – über Standards, über Apps, über strukturierte Produktdaten. Was heute stimmt, kann in zwei Jahren wieder anders aussehen.

Nur ändert das an der Handlungsempfehlung wenig. Ob die KI den Kunden am Ende zu Ihnen schickt oder eines Tages selbst bei Ihnen bestellt – in beiden Fällen muss sie Sie zuerst kennen und für empfehlenswert halten. Wer daran arbeitet, arbeitet in jedem Szenario an der richtigen Stelle.

Fazit

Die spektakuläre Hälfte der KI-Handelsgeschichte ist ins Stocken geraten. Die unspektakuläre Hälfte funktioniert: Menschen fragen die KI, wer etwas gut kann, bekommen zwei, drei Namen genannt – und gehen dorthin. Ob Ihr Name dabei ist, ist keine Frage von Technik oder Budget, sondern davon, welche Spuren Sie im Netz hinterlassen haben. Welche das sind, haben wir in 5 Signale, an denen KI-Assistenten erkennen, wem sie vertrauen aufgeschlüsselt.

Der erste Schritt ist nachsehen

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Quellen: Search Engine Land, „Walmart: ChatGPT checkout converted 3x worse than website" (März 2026). CNBC, „OpenAI's first crack at online shopping stumbled. It's preparing for the next wave" (20.03.2026). Semrush, „How AI Tools Influence the Modern Buyer Journey: A Survey of 1,000+ US Consumers" (Befragung Dezember 2025). OpenAI, „Buy it in ChatGPT: Instant Checkout and the Agentic Commerce Protocol" (September 2025).