Faktencheck

Schema-Markup für ChatGPT & Co.: Was die Studien wirklich zeigen

Von Alex Buchanan28. September 20266 Min. Lesezeit

„Bauen Sie strukturierte Daten ein, dann empfiehlt Sie die KI." Diesen Rat hören Unternehmer derzeit ständig. Er klingt technisch, messbar und schnell erledigt. Das Problem: Die sorgfältigsten Untersuchungen aus diesem Jahr finden dafür kaum einen Beleg. Hier steht, was die Daten tatsächlich hergeben – und wohin Ihre Zeit besser fließt.

Kurz erklärt: Was ist Schema-Markup überhaupt?

Schema-Markup (auch „strukturierte Daten" oder JSON-LD genannt) ist ein unsichtbarer Zusatz im Quelltext Ihrer Website. Besucher sehen ihn nicht. Er sagt Suchmaschinen in einer Art Formular-Sprache: „Das hier ist ein Unternehmen, das ist die Adresse, das sind die Öffnungszeiten, das ist eine Bewertung." Google nutzt diese Angaben seit Jahren, etwa für Sterne oder Preise direkt im Suchergebnis.

Mit dem Aufstieg von ChatGPT, Gemini und Google AI Mode wurde daraus schnell ein neues Versprechen: Wer der KI seine Daten sauber „vorsortiert", werde öfter genannt. Klingt logisch. Ist aber eine Annahme – und die ist 2026 mehrfach geprüft worden.

Die Studien, die einen Effekt fanden – und ihr Haken

Es gibt Auswertungen, die auf den ersten Blick für Schema sprechen. Die bekannteste stammt von AirOps gemeinsam mit dem Analysten Kevin Indig: Über rund 16.800 Suchanfragen wurden Seiten mit JSON-LD von ChatGPT zu 38,5 % zitiert, Seiten ohne zu 32,0 %.

Das Entscheidende ist, was dabei nicht herausgerechnet wurde: die Position der Seite in den Suchergebnissen. Und genau die ist der stärkste Faktor überhaupt. In derselben AirOps-Auswertung wurde eine Seite auf Platz 1 der Trefferliste in rund 58 % der Fälle zitiert, auf Platz 10 nur noch in rund 14 %. Gut gepflegte Websites, die weit oben stehen, haben oft auch Schema eingebaut. Ob die KI sie wegen des Markups nennt oder wegen allem anderen, was diese Websites richtig machen, lässt sich so nicht trennen.

Der sauberste Test: praktisch kein Effekt

Ahrefs hat im Mai 2026 genau diesen Knoten gelöst. Beobachtet wurden 1.885 Seiten, die neu Schema-Markup eingebaut hatten, verglichen mit rund 4.000 ähnlichen Seiten ohne diese Änderung. Das Ergebnis:

Ein Experiment des Technik-SEO-Dienstleisters searchVIU liefert die Erklärung dazu. Dort wurde eine Testseite mit Preisangaben an verschiedenen Stellen versteckt und von fünf KI-Systemen live abgerufen – ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity und Google AI Mode. Keines der Systeme hat die Werte genutzt, die nur im unsichtbaren Markup standen. Was im sichtbaren Text stand, wurde dagegen problemlos gelesen.

Der Suchexperte Daniel Cheung hat im Juli 2026 zehn Studien zu dieser Frage nebeneinandergelegt und jede Zahl an der Originalquelle geprüft. Sein Befund: Alle Untersuchungen mit positivem Ergebnis hatten keine ausreichenden Kontrollen, die gut kontrollierten fanden keinen oder einen leicht negativen Effekt.

Wie sichtbar sind Sie heute in der KI?

Bevor Sie an Technik schrauben: Der kostenlose KI-Check zeigt in rund 30 Sekunden, ob Sie bei echten Kundenfragen genannt werden – und wer stattdessen.

Kostenlosen Check starten ↗

Auch Google rückt davon ab

Passend dazu hat Google im Mai 2026 angekündigt, FAQ-Rich-Results – also die aufklappbaren Fragen direkt im Suchergebnis – nicht mehr anzuzeigen. Jahrelang galt ausgerechnet das FAQ-Markup als Paradebeispiel für „KI-Optimierung". In Googles eigener Dokumentation zu den KI-Funktionen heißt es inzwischen sinngemäß, dass es kein spezielles Schema-Markup braucht, um dort zu erscheinen.

Heißt das: Schema einfach weglassen?

Nein. Die ehrliche Einordnung ist differenzierter:

Unsere Empfehlung: Schema einmal sauber einbauen lassen (das ist für Ihren Webmaster meist eine Sache von ein bis zwei Stunden), prüfen, dass es fehlerfrei ist – und dann abhaken.

Was stattdessen wirklich zählt

Die Studien zeigen recht deutlich, wohin die Mühe gehört. Die KI arbeitet mit dem, was sie sehen und prüfen kann:

Die eigentliche Lehre: Zahlen prüfen, bevor man sie glaubt

Rund um KI-Sichtbarkeit kursieren viele beeindruckende Prozentwerte. Manche stammen aus Studien, die etwas ganz anderes gemessen haben, manche lassen sich gar nicht zu einer Quelle zurückverfolgen. Die Schema-Debatte ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einer Beobachtung („gut sichtbare Seiten haben oft Schema") eine Handlungsanweisung wird („Schema macht Sie sichtbar"), die der Überprüfung nicht standhält.

Für Sie als Unternehmer heißt das: Messen Sie lieber selbst, ob eine Maßnahme etwas bewirkt, statt einer Faustregel zu vertrauen. Stellen Sie der KI regelmäßig dieselben Kundenfragen und schauen Sie, ob Sie genannt werden – vorher und nachher. Nur so sehen Sie, was bei Ihnen wirkt. Wo genau es hakt, finden Sie mit unserer 3-Stufen-Diagnose heraus.

Messen statt raten

Der kostenlose KI-Check stellt die typischen Kauffragen Ihrer Branche und zeigt Frage für Frage, ob Sie genannt werden. Website eingeben, rund 30 Sekunden, ohne Anmeldung.

Kostenlosen Check starten ↗

Quellen: Ahrefs, Linehan & Guan, „We tracked 1,885 pages adding schema. AI citations barely moved" (11. Mai 2026), ahrefs.com. AirOps & Kevin Indig, „The fan-out effect: What happens between a query and a citation", airops.com. searchVIU, „Schema markup and AI in 2025: What ChatGPT, Claude, Perplexity & Gemini really see" (Dezember 2025), searchviu.com. Daniel Cheung, „Should you bother with schema markup for AI search?" (6. Juli 2026), danielkcheung.com. Google Search Central, „AI features and your website", developers.google.com.